Angeles City? Eine komische Stadt!

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Ich hatte Angeles City auf meiner Zielliste, weil ich schon lange mal den Vulkan Mount Pinatubo besuchen wollte. Also mietete ich ein Auto am Flughafen in Manila, was ziemlich stressig war.

Ich hatte eine Online-Reservierung bei Euopcar gemacht wie so viele Male vorher auch schon, ohne je ein Problem gehabt zu haben. Aber dieses Mal dauerte der Registrierungsprozess 45 Minuten. Der Typ am Schalter, der mich bediente, schien aus irgendeinem Grund ziemlich nervös zu sein. Als Erstes bekam ich ein Upgrade auf einen Automatikwagen. Das war eigentlich ein guter Start. Aber dann sollte ich ein Bewerbungsformular ausfüllen mit dem Titel “Bewerbung für die Miete eines Autos”! Das war sehr seltsam! Ich habe online problemlos die Reservierung durchgeführt, die bestätigt wurde. Und seit vielen Jahren bin ich bei Europcar schon Kunde. Und nun sollte ich mich “bewerben”! Normalerweise bin ich es eigentlich umgekehrt gewöhnt, nämlich, dass sich Firmen bei mir bewerben, damit ich ihre Produkte nutze und kaufe.

Sie wollten sogar drei Referenzen von mir auf den Philippinen haben, um meine Integrität zu prüfen. Ich erklärte dem Typen, dass ich in diesem Land niemanden kennen würde. Daraufhin wollte er Namen und Adressen von drei Freunden in Deutschland, was ich einfach ablehnte. Worin bestand der Sinn einer solchen Prozedur? Sie hätten ja nicht einmal wissen können, ob meine Angaben überhaupt korrekt wären. Ich hätte auch Michael Mustermann angeben können.

Dann wurden alle meine persönlichen Daten wie Passnummer, Führerscheinnummer, Name, Adresse und so weiter noch einmal von Hand abgeschrieben, obwohl all diese Daten ja schon im System waren. Außerdem hatte der Typ Kopien jeder einzelnen Seite meiner Dokumente gemacht. Allein dieses Abschreiben hat 25 Minuten gedauert. Ich war inzwischen sichtlich nervös geworden, was den Typen selbst auch noch nervöser machte. Am Ende hatte es über eine Stunde gedauert, bis ich den Wagen übernehmen konnte. Und nur zum Vergleich: Letztes Jahr hatte ich auch bei Europcar einen Wagen online gemietet, den ich im Intercontinental Hotel in Makati, Manila innerhalb von nur zehn Minuten übernommen hatte.

Anschließend hatte ich eine gute und problemlose Fahrt nach Angeles City. Auf den hundert Kilometern war an diesem Sonntagnachmittag nur wenig Verkehr.

Es gibt nur zwei Dinge, für die Angeles City bekannt ist, nämlich den nahe gelegenen Mount Pinatubo und den Rotlichtbezirk. Davon abgesehen ist die Stadt ziemlich hässlich und macht einen heruntergekommenen Eindruck.

Aber ganz sicher hat die Stadt eine interessante Geschichte. Angeles City war früher mal sehr stark vom US-Militär abhängig. Bevor die Amerikaner sich 1991 aus den Philippinen komplett zurückzogen, hatten sie hier die größte Militärbasis außerhalb den USA. Der Abzugsprozess wurde aber durch den verheerenden Ausbruch des Pinatubos im Juni 1991 erheblich beschleunigt. Die ganze Stadt, die Basis und die Region wurden mit einer dicken grauen Schicht Vulkanasche zugedeckt. Tausende Einwohner und Militärangehörige wurden damals evakuiert und konnten sehr lange nicht zurückkehren. Neben den wirtschaftlichen Auswirkungen des Vulkanausbruchs hat der Abzug der Amerikaner vielen Menschen die Lebensgrundlage geraubt. Zwei Jahre später begann man jedoch damit, die Stadt von der Asche zu säubern und leitete eine wirtschaftliche Restrukturierung ein, die sehr erfolgreich verlaufen ist und Angeles City heute zu einer prosperierenden Großstadt gemacht hat..

Ich hatte hier drei Nächte gebucht und damit zwei volle Tage zum Fotografieren. Am ersten Tag schlief ich etwas zu lange. Außerdem musste ich mein Zimmer wechseln, da das Hotel irgendwie einen Buchungsfehler gemacht hatte. Es war schließlich schon 13:00, als ich das Hotel verließ und das Straßenleben fotografieren wollte. Normalerweise laufe ich gerne durch die Städte und gehe ziellos in die Seitenstraßen, wo das normale Leben stattfindet. Aber hier konnte mich so gut wie nichts inspirieren.

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Abends war ich in einem großen Pub in der Nähe essen. Und hier traf ich auf den armen Robert.

Ich saß an der Bar und hatte Spaghetti Carbonara bestellt. Aber, was ich vorgesetzt bekam, hatte nicht annähernd etwas mit Carbonara zu tun. Ich probierte eine Gabel, und es schmeckte grauenhaft. Ich rief sogleich die kleine Bedienung, um die Bestellung zu wechseln. Natürlich wollte ich nicht doppelt dafür bezahlen. Das konnte sie aber nicht selbst entscheiden, weshalb sie den Manager rief. Dieser Typ sah etwas Furcht einflößend aus. Ein Schwarzer mit etlichen überschüssigen Kilos, einem Schnauzer und einer Hornbrille. Er war etwa in meinem Alter. Ich glaube, er war Amerikaner. Ich fing an, ihm freundlichst und respektvoll das Problem zu schildern. Ich hatte noch nicht mal ausgesprochen, als er meinte, ich könne problemlos tauschen und müsse nicht bezahlen! Recht so!

Dies war der Moment, als sich Robert einschaltete. Er saß zwei Stühle neben mir und hatte die ganze Spaghettiaffäre beobachtet. Nun fühlte er sich dazu berufen, seine Kommentare über das Essen in diesem Pub und auf den Philippinen im Allgemeinen abgeben zu müssen. Er fand das alles ungenießbar! Er reiste schon seit ein paar Wochen durch das Land, hatte inzwischen mehrere Kilos abgenommen und fürchtete nun, langsam zu verhungern.

Robert ist ein Engländer aus London und Mitte fünfzig. Er war früher mal mit einer Filipina verheiratet, mit der er einen erwachsenen Sohn hat. Er ist selbstständiger Malermeister und beklagte sich heftigst über die scheiß polnischen Zuwanderer in England, die mich preislich dauernd unterbieten, weil sie mit zwanzig anderen scheiß Polen in einer scheiß Baracke hausen und nicht ein scheiß Pfund in England ausgeben, sondern alles in ihre scheiß Heimat transferieren, um ihre scheiß Familien zu unterstützen!”.

Wann auch immer ich auf einen Engländer treffe, dauert es nicht lange, und der Krieg muss besprochen werden. Wieder und wieder habe ich solche Diskussionen führen müssen, die mich seit Langem ermüden. Aber mit Robert verlief das Gespräch völlig unerwartet, wenngleich etwas sehr befremdlich. Er lobte Hitler dafür, dass er die Sowjets damals aufhalten wollte, und wenn er den Krieg gewonnen hätte, dann müsste sich Robert auch nicht mit den Polen herumschlagen.

Ich hörte ihm aufmerksam zu und runzelte immer mal wieder die Stirn. Dies verunsicherte ihn offensichtlich ein wenig, sodass er mich fragte, ob ich Jude sei. Er war der Meinung, dass ich irgendwie jüdisch aussähe. Nachdem ich seine Frage verneinte, entspannte er sich wieder, da er wohl der Meinung war, einem Nichtjuden gegenüber seine Lobpreisungen Hitlers ohne moralische Skrupel fortsetzen zu können. Und so erklärte er mir noch, dass Hitler ja nie England erobern wollte und eigentlich sogar ein Freund der Engländer gewesen sei, und die Engländer hätten ohne den Eintritt der Amerikaner den Krieg nie gewonnen.

Nach einer Weile weitere historischer Belehrungen und wollte ich in eine kleine, gemütliche Bar, die ich gestern zufällig gefunden hatte. Da Robert mit der ganzen Unterhaltungsszene in der Stadt zutiefst unzufrieden war, fragte er mich, ob er mich begleiten dürfe. Durfte er! Wir verließen das Pub und marschierten Richtung Bar.

Ich lief drei Meter vor ihm, als ein paar Straßenkinder auf uns zukamen und uns anbettelten. Ich konnte die Kleinen sehr schnell abschütteln. Aber als ich mich umdrehte, sah ich, wie die Kinder sich auf beiden Seiten an Roberts Arme klammerten und er sich scheinbar angeregt mit ihnen unterhielt. Plötzlich sprach ihn eine junge Frau an. Robert schien für einen Moment völlig perplex. Eines der Kinder zeigte dann mit dem Finger in Richtung einer kleinen Seitenstraße, und Robert startete einen Sprint dorthin.

Ich fragte die Frau, was passiert sei. Und sie erzählte mir, dass eines der Kinder Roberts Portemonnaie geklaut habe. Ach, Du Scheiße! Ich lief daraufhin auch in die Seitenstraße und traf dort den völlig aufgelösten und verzweifelten Robert, der mir klar machte, dass sich in seinem Portemonnaie nicht nur all sein Bargeld, sondern auch ein paar Dokumente und vor allem aber alle seine Kreditkarten befunden hatten. Dann fragte er mich, was er nun tun solle und flehte mich regelrecht an, ihm zu helfen. Ich sagte ihm nur, dass er zur Polizei gehen solle, um eine Anzeige zu erstatten, und…..! Weiter kam ich nicht, denn ein Filipino kam mit seinem Moped und forderte Robert auf, sich auf den Sozius zu setzen und die Kids zu verfolgen. Von dem Moment an habe ich den armen Robert nicht wieder gesehen.

In diesem Zusammenhang mal ein kleiner Hinweis. Wo auch immer ich herumreise und abends zum Essen oder Trinken ausgehe, nehme ich grundsätzlich nur so viel Bargeld mit, wie ich glaube auszugeben. Niemals würde ich meine Kreditkarten und ganz besonders keine Dokumente mitnehmen. Und wenn man aber trotzdem in solch eine Situation wie der Robert gerät, dann sollte man wenigsten vorher sichergestellt haben, dass man immer über Western Union eine Onlineüberweisung in ausreichender Höhe an sich selbst machen kann. Damit ist man fürs Erste ausreichend mit Bargeld versorgt.

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