Im Camp der Protestierer am Demokratiedenkmal in Bangkok

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Die Proteste und Demonstrationen gegen die geschäftsführende Regierung der Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra dauern nun schon seit mehreren Wochen an. Ein friedliches Ende ist bis auf Weiteres nicht absehbar. Ich werde mich hüten, hier und jetzt eine Einführung in die Probleme thailändischer Politik zu geben. Davon verstehe ich nämlcih viel zu wenig. Und letzlich ist das hier nur ein Reise- und Fotoblog. Trotzdem ist das Thema für mich wichtig. Denn heute hatte ich eine Mission zu erfüllen. Ich wollte zu den Demonstranten am Demokratiedenkmal, ihnen eindringlich ins Gewissen reden und damit letztlich Frieden in dieses Land bringen!

Das Demokratiedenkmal liegt im Herzen von Bangkok und steht praktisch auf jeder Liste der Punkte, die man unbedingt gesehen haben muss, wenn man in Bangkok ist. Ich habe das nie verstanden. Denn das Bauwerk an sich ist weder besonders schön noch architektonisch anspruchsvoll noch sonst irgendwas. Aber genau hier hat sich die Protestbewegung dauerhaft eingerichtet und ihr Lager aufgeschlagen, in dem sie nun schon wochenlang campiert.

Es gibt eine Menge Warnungen, nur ja nicht in die Nähe dieser Proteste zu gehen, da man nie sicher sein kann, ob nicht eine gerade noch friedliche Versammlung plötzlich und unerwartet in eine gewalttätige Auseinandersetzung mit der Polizei umschlägt. Deshalb versuchte ich, mir aktuellere Informationen zur Lage am Denkmal zu verschaffen. Aber außer diesen allgemeinen Hinweisen konnte ich nichts finden, und so entschloss ich mich, das wohl kalkulierte Risiko einzugehen.

Ich nahm eine Fähre auf dem Chao Phraya und fuhr zur Khaosan Road, dem Viertel der Rucksacktouristen, die ja bekanntlich auch sehr friedliebende Menschen sind. Von dort war es nicht weit. Ich lief die Ratchadamnoen Klang Road entlang. Normalerweise herrscht auf diesem großen Boulevard sehr starker Verkehr, aber heute war er geschlossen. In der Straßenmitte waren ein paar, Verkaufsständen ähnliche Zelte aufgebaut, die aber nun am frühen Nachmittag verschlossen waren. Und auf den Bürgersteigen versuchten Straßenhändler, ihren Schnickschnack zu verkaufen.

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Als ich mich dem Denkmal näherte, wunderte ich mich über die wenigen Menschen, denen ich begegnete. Aber nachdem ich schließlich und endlich dort angelangt war, fand gerade eine Art Konzert auf einer provisorischen Bühne vor einem großen Protestpublikum statt. Damit hatte ich die Zielsubjekte meiner Friedensmission gefunden.

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Über eine Länge von etwa dreihundert Metern bis zum Ende der Straße hat man große gebogene Dächer über den Boulevard gebaut, um den Menschen Schatten zu spenden und sie vor Regen zu schützen. Denn unter diesen Dächern haben sich ein paar Hundert Demonstranten längerfristig eingerichtet. Viele von ihnen schliefen gerade, aßen etwas, lasen die Zeitung oder unterhielten sich miteinander.

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Offensichtlich hat man auch eine mehr oder weniger vollständige Infrastruktur für die Protestierer aufgebaut. Diese umfasst die Müllbeseitigung, Essensversorgung, den Verkauf von Symbolen der Protestbewegung und vieles mehr. Aus den allgegenwärtigen Lautsprechern drang eine Art thailändischer Blues.

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Es herrschte hier eine sehr friedliche Atmosphäre, die einen fast schon dazu verleiten könnte, mit den Protestieren zu sympathisieren.

Am Ende der Straße hat man Barrikaden aus Sandsäcken aufgebut.

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Portraits des von allen Thais respektierten und geliebten Königs waren auch an jeder Ecke zu sehen.

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Und die Demonstranten selbst machten ebenfalls einen sehr entspannten und fröhlichen Eindruck.

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Man kann nur hoffen, dass es der thailändischen Gesellschaft und diesen an sich so friedlichen und stets lächelnden Menschen gelingt, in Zukunft etwas harmonischer miteinander zu leben. Im Moment gibt es hierfür allerdings keine großen Hoffnungsschimmer, denn meine Friedensmission ist gescheitert. Die Sprachbarriere war einfach zu groß :-)

Klick auf die Diashow über dem Artikel, um mehr Bilder zu sehen.

2 Responses

  1. Kirsten
    | Reply

    super Bilder – danke :-)

  2. Stefan Dahle
    | Reply

    Ich danke! Bussi.

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