Leben mit den Toten – Der Nordfriedhof in Manila

posted in: Manila, Singapore | 2

Friedhöfe sind eigentlich immer interessante Orte. Man kann hier einen Einblick in die Kultur der Menschen bekommen und in die Art, wie sie mit ihren Toten umgehen. Ich war bisher auf ein paar wenigen Friedhöfen auf dieser Welt. Aber einen solchen wie den Nordfriedhof in Manila, den Cemeterio del Norte, habe ich noch nie gesehen.

Der Friedhof ist der älteste und größte seiner Art in Manila. Er wurde im neunzehnten Jahrhundert gegründet und umfasst eine Fläche von etwa 54 Hektar. Man findet hier traditionelle Gräber und teils prächtige Mausoleen, aber auch Wände, in die quadratische kleine Urnengräber eingelassen sind. So weit zu den paar Fakten. Das eigentlich Interessante ist allerdings, dass auf dem Friedhof etwa 10.000 Menschen aus Mangel an Alternativen ihr Zuhause in den Gräbern und Mausoleen gefunden haben.

Friedhöfe sind in der Regel immer Orte der Ruhe und auch Würde. Nicht so hier auf dem Nordfriedhof. Stattdessen findet man hier eine lebhaftes Gemeinschaftsleben, das sich zum großen Teil aber doch ruhig und friedlich auf den Straßen abspielt. Kinder turnen auf den Gräbern herum, und  kleine Verkaufsstände bieten Waren des täglichen Bedarfs zum Verkauf an. Wasser wird aus einem der reichlich vorhanden Brunnen geholt, der Strom von nahe gelegenen Stromkabeln abgezweigt.

Die hier lebenden Menschen sind inzwischen mehr oder weniger akzeptiert, obwohl die Behörden immer wieder einmal versuchen, sie umzusiedeln. Allerdings dauert es nie lange, bis die Leute wieder zurück kommen. Die Geschichten und die Motivation der Menschen, auf dem Friedhof zu leben, sind unterschiedlich. Die Einen haben eine Grabstätte von ihren Vorfahren geerbt, einige andere haben die Gräber einfach aufgebrochen und besetzt und wieder andere wurden von den Besitzern der Mausoleen einfach angeheuert, um sich um deren Pflege zu kümmern.

Zusammen mit einer befreundeten Philippinin fuhr ich dorthin. Als wir ankamen, fragte mich einer der Angestellten in der Verwaltung am Eingang, woher ich käme. Nachdem ich ihm geantwortet hatte, dass ich Deutscher sei, brüllte er sofort laut Hitler!, woraufhin er und ein Kollege den Hitlergruß machten und dabei kräftig lachten. Dann wurde meiner Freundin ein leeres Blatt Papier überreicht mit der Bitte, einen Brief an den Chef des Friedhofes zu schreiben und darin zu erklären , wer wir sind und welche Absichten wir verfolgten. Ein lustiges und etwas befremdliches Prozedere, das wir aber ohne Probleme überstanden. Anschließend bot man uns einen Führer an, der uns gegen ein kleines Trinkgeld in einem motorisierten Dreirad über das weitläufige Gelände fuhr und uns die interessanten Plätze zeigte.

Die Gräber

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Leben auf der Straße

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Leben auf den Gräbern

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Die Menschen und die Kinder

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Der Nordfriedhof befindet sich auf einem sehr großen Gelände, auf dem sich auch der berühmte Chinesische Friedhof der Stadt befindet.

Klick auf die Diashow über dem Artikel, um mehr Bilder zu sehen.

 

2 Responses

  1. klimke rosemarie
    | Reply

    gefällt mir sehr gut

  2. L.E.
    | Reply

    Das ist wieder ein Bericht, der mich nicht nur zutiefst beeindruckt –
    er regt auch zum Nachdenken an, über das Leben und das Danach .
    Danke

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