Luxus für die Toten – Der Chinesische Friedhof in Manila

posted in: Manila, Philippinen | 1

Der chinesische Friedhof in Manila grenzt direkt an den Nordfriedhof. Und wenn man vorher auf Letzterem gewesen ist, kann der Kontrast kaum größer sein. Während die Atmosphäre auf dem Nordfriedhof zu einem großen Teil von den dort lebenden armen Menschen geprägt wird, erscheint der chinesische Friedhof sehr ordentlich und vor allem wohlhabend. Die ganze Anlage ist sehr sauber und wird auch nachts bewacht. Mitte des neunzehnten Jahrhunderts verboten die spanischen Kolonialherren den Chinesen, ihre Toten auf den katholischen Friedhöfen der Stadt zu beerdigen.  Als Reaktion darauf wurde der chinesische Friedhof gegründet, der heute der zweitgrößte in Manila ist.

Der Friedhof ist bekannt für seine vielen Häuser, die als Grab oder Mausoleum für die Verstorbenen errichtet wurden. Eine der Straßen wird Millionärsstraße genannt, da sich hier ein imposantes Gebäude an das andere reiht, in denen die reichen Chinesen ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Manche der Häuser ähneln Villen und sind tatsächlich mit allem Komfort ausgestattet. Hierzu gehören eine Toilette, fließend kaltes und warmes Wasser, eine Klimaanlage bis hin zu eier Karaokeanlage. Ironischerweise sollen all diese Annehmlichkeiten nicht den Lebenden das Dasein erleichtern, sondern den Toten, sollten sie auf ihrem Weg in den Himmel länger verweilen müssen als geplant.

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Auf der anderen Seite findet man am Rande eines Slum ähnlichen Gebiets eine lange Wand mit kleinen, quadratischen Grabkammern, in denen die Überreste der armen und wohl auch namenlosen Chinesen untergebracht sind. Auf den Kammern stehen keine Namen, sondern nur Nummern. Der soziale Status dieser Menschen zeigt sich eben auch nach ihrem Tod an der nicht vorhandenen Pflege dieser Gräber. Vor der Wand liegt Müll, und es riecht nach Urin.

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Das interessanteste Gebäude ist allerdings das Krematorium sowie ein gegenüber liegendes Haus, in dem angeblich die Überreste von 3.500 Toten in kleinen Grabkammern liegen.

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In dem Grabkammergebäude kann man auch das Gefühl bekommen, sich in einer großen, alten Bibliothek zu befinden.

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Als wir den Friedhof am Südtor, dem Haupteingang, betraten, wurde ich von einem Uniformierten angesprochen, der einem das Gefühl vermittelte, es sei vorgeschrieben, einen Führer anzuheuern und sich herumführen zu lassen. Und es verwundert natürlich nicht, dass ein solcher Führer nur zwei Meter entfernt gewartet hatte und sich dann zu uns gesellte. Er wollte 600 Pesos (10 €) für eine Stunde. Ich machte den Leuten klar, dass ich weder Interesse an einer Führung hätte, noch eine solche wirklich benötigte. Meine Begleitung und ich marschierten dann einfach los. Aber so schnell war der Führer nicht abzuschütteln. Er redete einfach endlos weiter auf uns ein und erzählte ausschweifend, wo er uns überall hinführen wollte. Alles Orte, die wir ohne ihn nicht sehen würden. Nach einer Weile gab er dann aber doch auf und verschwand.

One Response

  1. hk
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    schade , fiessend Wasser und Toiletten fuer die Toten, wo es doch die lieben Leute am Nordfriedhof viel besser gebrauchen koennten…

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