Wer reist, der liest – Ein paar Buchkritiken (Teil I)

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Wenn man über Wochen hinweg unterwegs durch die Welt ist, braucht man auch etwas für den Geist. Und was eignet sich da besser als ein paar Bücher? Deshalb folgen hier ein paar kurze Buchkritiken.

Blick in die Ewigkeit: Die faszinierende Nahtoderfahrung eines Neurochirurgen

Eben Alexander, Juliane Molitor

Wer es grundsätzlich ablehnt, an irgendetwas nach dem Tod zu glauben, der braucht dieses Buch nicht zu lesen. Allen anderen sei es aber wärmstens empfohlen.

Eben Alexander ist ein renommierter amerikanischer Neurochirurg, der völlig unerwartet an einer hochgradigen bakteriellen Meningitis erkrankte und anschließend sieben Tage lang im Koma lag. Die behandelnden Ärzte hatten ihn schon aufgegeben, da keine Gehirnaktivitäten mehr messbar waren und die verabreichten Antibiotika nicht zu wirken schienen. Wie durch ein Wunder erwachte er allerdings wieder und war innerhalb kürzester Zeit genesen.

Alexander hatte während der sieben Tage im Koma Nahtoderlebnisse, die sein weiteres Leben nachhaltig geprägt haben. Seine Erfahrungen verarbeitet er in diesem Buch.

Es sind nicht so sehr die geschilderten Erfahrungen, die besonders beeindrucken. Sie ähneln vielen anderen vergleichbaren Berichten. Das Faszinierende ist, dass dieser Mann als Schulmediziner, der vergleichbaren Geschichten und Erzählungen seiner eigenen Patienten nie geglaubt hatte und die geschilderten Phänomene und Erfahrungen rein wissenschaftlich zu erklären versuchte, nun genau so wissenschaftlich versucht zu belegen, dass derartige Erlebnisse eben nicht auf diese Art und Weise erklärbar sind. Denn all diese Argumentationsketten basieren darauf, dass das Gehirn noch funktionsfähig ist oder zumindest Teile davon. Genau dies war bei ihm aber nicht mehr der Fall. Alexander galt praktisch als hirntot.

Er schildert den Verlauf seiner Krankheit, wie seine Familie und die Ärzte damit umgingen und seine Erfahrungen und Erlebnisse im Jenseits. Darüber hinaus entwickelt er eine Theorie, wie die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Menschen ihnen den Blick für etwas Übergeordnetes, Göttliches versperren und damit unser Bewusstsein beschränken.

Ein hoch interessantes und packendes Buch!

Chodorkowskij: Legenden, Mythen und andere Wahrheiten

Viktor Timtschenko, Gabriele Krone-Schmalz

Wann immer ich in den letzten Jahren einen Bericht über Chodorkowsky gesehen oder gelesen habe, war der O-Ton stets ähnlich: Hier wird ein Kreml-Kritiker, ein Märtyrer, der sich für Menschenrechte einsetzt, unschuldig seit Jahren im Gefängnis eingesperrt, weil er es wagte, sich mit Putin anzulegen. Manchmal gingen die Medien so weit, ihn auf eine Stufe mit wahren Helden wie Nelson Mandela, Mahatma Gandhi oder Martin Luther King zu stellen! Ich habe dann immer innerlich mit dem Kopf geschüttelt und mich gewundert. Denn das Wenige, das mir bekannt war, war die Tatsache, dass dieser Mann wegen Wirtschaftsverbrechen verurteilt wurde.

In diesem Buch werden Aufstieg und Fall von Chodorkowskij minutiös und detailliert dokumentiert. Es zeigt ausführlich, wie er es aus dem Nichts geschafft hat, zu einem der mächtigsten und einflussreichsten Männer in Russland und zu einem der reichsten in der Welt zu werden. Dabei wird deutlich, dass Chodorkowskij all diesen Erfolg nur durch eigene kriminelle Machenschaften und rücksichtsloses Vorgehen erreichen konnte. Hierfür, sofern es ihm nachweisbar war, wurde er letztlich auch verurteilt.

Das Buch zeigt auch auf, wie Chodorkowskij und seine Getreuen seit seiner Verhaftung erfolgreich sein Image vom Oligarchen zum Kremlkritiker und unerschrockenen Kämpfer für Menschenrechte gewandelt haben. Dies haben sie erreicht, indem sie eine Armada namhafter PR-Agenturen eingeschaltet haben. Und wenn man das weiß, kann man sich nur wundern, wie leichtgläubig die Medien in der westlichen Welt diese Märchen übernommen haben und verbreiten.

Ein sehr lesenswertes Buch.

P.S. Zwei Tage, nachdem ich das Buch zu Ende gelesen hatte, kam Chodorkowskj frei.

Der Wolf der Wall Street: Die Geschichte einer Wall-Street-Ikone

Jordan Belfort

Dieses Buch ist die Autobiografie von Jordan Belfort, auf dem der aktuelle gleichnamige Film von Martin Scorsesee mit Leonardo DiCaprio basiert. Es schildert das ausschweifende Leben dieses jungen Aktienhändlers in den neunziger Jahren, das von ununterbrochenem Drogenrausch, Sexorgien und Wertpapierbetrug geprägt war. Mit seinen Aktienmanipulationen schaffte er es, innerhalb kurzer Zeit zu einem Multimillionär zu werden und dieses Leben zu finanzieren. Hierfür wurde er 1998 zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt, wovon er aber nur 22 Monate absitzen musste.

Das Buch umfasst 704 quälende Seiten! Die Geschichte an sich ist interessant, teilweise auch amüsant. Allerdings, typisch amerikanisch, ergeht sich Jordan in endlosen Detailschilderungen und Beschreibungen über die Einrichtungen von Zimmern, die Kleidung seiner Gesprächspartner und anderen langweiligen Nebensächlichkeiten. Und Dialoge werden in allen Einzelheiten einschließlich der Körpersprachen und Mimik der Teilnehmer ausgebreitet. Das Buch hätte man auch gerne auf 200 Seiten komprimieren können.

Davon abgesehen zeigt die Geschichte einmal mehr, wie es an der Wall Street zugeht, wie abgehoben und dekadent die dort arbeitenden Menschen sind, und wie der ausufernde Finanzkapitalismus zu jener Zeit begann, seine volle Kraft erst richtig zu entfalten.

Ich würde das Buch nicht wieder kaufen und stattdessen lieber ins Kino gehen.

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