Zehn Stunden für 170 KM nach Koh Chang

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Für meine Fahrt von Pattaya nach Koh Samet brauchte ich eine Stunde mit dem Bus und noch einmal eine Stunde mit der Fähre. Alles zusammen dauerte der Trip zweieinhalb Stunden für circa achtzig Kilometer von Tür zu Tür.

Von Koh Samet nach Koh Chang sind es etwa 170 KM. Meine mathematische Begabung hat zwar noch nie zu meinen Stärken gehört, aber die einfache Rechnung, dass ich die dopplete Zeit für die doppelte Strecke benötigen würde, traute ich mir noch zu. Dabei habe ich sogar die Straßenverhältnisse mit berücksichtigt, die sehr vergleichbar waren, also sehr gut.

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8:00 am

Ich verließ mein Hotel um acht Uhr. Zum Glück erbarmte sich ein Hotelangestellter, meinen schweren Koffer über den Strand zur Fähre zu tragen. Die Abfahrt sollte 8:30 sein. Ich setzte mich auf einen Plastikstuhl, als mich plötzlich ein Typ ansprach, der in meinem Alter gewesen sein dürfte. Er ragte ich mich etwas auf Deutsch, und ich antwortete ihm in Deutsch. Daraufhin sagte er: “Das habe ich sofort gesehen, dass Sie Deutscher sind!” Und ich antwortete: “Ja, ich kann in der Regel auch immer gleich sehen, wer Deutscher ist. Aber ich frage mich immer, was an uns Deutschen so deutsch aussieht, dass man uns als solche erkennen kann”. Da meinte er nur, was auch immer es sei, es sei jedenfalls erfreulich, dass unsere Rasse noch nicht so durchmischt sei und man uns deshalb erkennen könne. Die Aussage ignorierte ich natürlich. Aber als ich sah, dass er mit seinem männlichen Freund unterwegs war, sagte ich mir, dass der Typ, wenn er den das war, was ich vermutete, sicher nicht zu Vermischung der Rasse oder ihrer Reinhaltung beitragen würde. Und das sei auch gut so.

Wir wurden dann mit dem Zubringerboot zu Fähre geschippert. Die entsprach einem typisch thailändischen Kahn, einem Fischerboot ähnlich, mit nach vorne hin stark ansteigendem Bug. Man konnte nur im vorderen Bereich auf recht schmalen und schiefen Brettern sitzen, was über eine Dauer von einer Stunde etwas anstrengend war.

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9:30 am

Nachdem wir den Hafen in Ban Phe erreicht hatten, lief ich die vierhundert Meter zum Busbetreiber. Der erklärte mir, dass der Bus gerade abgefahren sei und der nächste erst um 11:30 führe. Das war um so ärgerlicher, zumal ich beim Kauf der Tickets extra noch gefragt hatte, ob der Bus auch warten würde. Und das wurde selbstverständlich bestätigt.

Ich ging dann erst mal auf der anderen Straßenseite in ein Café, holte mein Frühstück nach und schrieb am Blog.

11:30

Schließlich kam der Minivan, und neben meiner Wenigkeit stiegen weitere neun Passagiere zu. Das Gepäck wurde neben mir auf den Sitzen gestapelt. Ich musste in jeder Kurve aufpassen, von den Rücksäcken nicht begraben zu werden. Auf der anderen Seite hatte ich den perfekten Sitz mit sehr viel Platz für die Beine und niemanden nebendran. Ich machte es mir gemütlich und prüfte die Reiseroute auf meinem Smartphone.

Unser Minivan

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Und mein komfortabler Sitzplatz!

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13:00 pm

Nach eineinhlb Stunden legte der Fahrer einen Ziwschenstop an einem Restaurant ein, eine Pause von zwanzig Minuten. Als ich den Fahrer fragte, wie lange wir noch zu fahren hätten, antwortete er “noch einmal eineinhalb Stunden, vielleicht auch zwei!”. Das konnte ich zwar kaum glauben, aber er sollte recht behalten, zumal wir noch eine halbe Stunde an einer Tankstelle in der Schlange warten mussten.

Der Fahrer war ein rauer, harter Typ, und dementsprechend war auch sein Fahrstil. Seit ich 2010 das Reisen in Asien angefangen habe, wurden Taxi- und Tuk-Tuk-Fahrer zu meinen speziellen Freunden. Oder anders ausgedrückt, ich habe praktisch noch nie einen Fahrer kennengelernt, den ich sympathisch fad und dem man hätte vertrauen können. Im Gegegenteil! Die Meisten versuchen, einen zu bescheißen, wann und wo immer es geht. Und die schlimmsten dieser Konsorten habe ich immer in Thailand getroffen.

Unser Fahrer lächelte nie. Er hatte stets einen grimmigen Gesichtsausdruck. Als wir an einer Tankstelle den Bus verlassen sollten, kam eine unzweideutige militärisch klingende Ansage von ihm. Und so war es kein Wunder, dass er am Ende der Fahrt nicht einen einzigen Baht Trinkgeld bekommen hatte.

In solchen Situation muss ich mich immer wundern. Wäre der Typ ein bisschen freundlicher und kommunikativer, etwa in der Art: “Guten Morgen, liebe Leute! Ich bin euer Kapitän für die nächsten paar Stunden, und mein Name ist Blablabla. Wenn ihr irgendeine Frage oder ein Problem habt, wendet euch an mich. Ich kann euch sowieso nicht helfen, hahaha. Macht es euch bequem. Die Fahrt dauert drei Stunden, sechsundfünfzig Minuten und drei Sekunden, und unsere Reiseflughöhe beträgt zehn Meter über Normalnull. Danke schön!”, dann, ja dann würde er sicher von jedem seine hundert Baht Trinkgeld bekommen. Und wenn man das hochrechnet, wären das am Tag 2.000 Baht und im Monat wahrscheinlich 50.000 Baht zusätzliches Einkommen. Einfach so!

16:00 pm

Wir erreichten schließlich unsere Endstation, Laem Ngop. Hier gibt es zwei Fährterminals, die etwa vier Kilometer voneinander entfernt liegen. Der Bus brachte uns zum Laem Ngop Pier. Beim Aussteigen “befahl” uns der Fahrer, an einem kleinen Stand unter einem großen Wellblechdach unsere Fährtickets zu kaufen. Und wir folgten brav und bezahlten unsere 100 Baht für eine einfache Fahrt. Dann fuhr man uns mit einem Pickup zu dem anderen Terminal, dem Centre-Point-Pier, von wo aus unsere Fähre in See stach. Da wunderte ich mich doch ein wenig, obwohl ich mich bei den vielen Wunderlichkeiten, die ich schon in Asien erlebt habe, eigentlich über gar nichts mehr wundere.

Nun fragt man sich doch, warum uns der Bus nicht gleich und direkt zum Centre-Point-Pier gefahren hatte, wo man selbstverständlich auch seine Tickets kaufen konnte. Und das höchst wahrscheinlich billiger! Ich spekuliere mal, in mir aber ziemlich sicher, dass der Fahrer schlicht und ergreifen geschmiert wird oder über eine Provision beim überteuerten Ticketverkauf an der kleinen Bde mit verdient.

16:30 pm

Unsere Fähre war ein alter, extrem verrosteter Kahn, der seine besten Tage längst hinter sich hat. Im Unterdeck parkten die Autos, im Oberdeck saßen die Passagiere. Ich saß nicht weit vom kleinen Cockpit des Kapitäns, der zehn Minuten vor der Abfahrt angerollt kam. Denn er wog wohl zweihundert Kilo und konnte sich nur seitwärts durch die Tür schieben. Ich wollte mir nicht ausmalen, wie der Typ agiert, wenn mal Gefahr im Verzug wäre.

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Eine typische Fähre. Meine war “same, same, but different!”

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17:00 pm

Endlich legten wir ab, fuhren dann aber nur mit gefühlter Schrittgeschwindigkeit nach Koh Chang. Mehr gab der alte Kahn wohl nicht her.

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18:00 pm

Nach einer Stunde Fahrt immer schön dem Sonnenuntergang entgegen kamen wir letztlich auf Koh Chang an. Und nun galt es, einen der Plätze auf den etwa zehn wartenden Songthaews zu bekommen. Die Songthaews sind praktisch die einzige öffentliche Transportmöglichkeit auf der Insel. Normale Taxis und Busse gibt es nicht, höchstens noch ein paar Moto Taxis.

Die Songthaews fahren alle eine bestimmte Route ab. Die Endziele sind zwar auf der Seite angeschrieben, aber das nützt einem natürlich nichts, wenn man die Insel nicht kennt. Also marschierte ich zügig zum erstbesten Fahrer und brüllte im Gewirr der unzähligen Touristen: “White sands beach?”. Der Typ zeigte dann mit dem Finger auf einen anderen Fahrer, der schon schwer damit beschäftigt war, die Rucksäcke und Koffer auf dem Dach zu verstauen. Ich zwängte mich durch die eng geparkten Fahrzeuge und die anderen Menschen zu diesem anderen Fahrer und wiederholte meine Frage: “White sands beach?”. Da zeigte der Typ mit seinem Finger wieder auf einen anderen Fahrer. Und so wiederholte sich diese Prozedur einige Male, bis am Ende nur noch ein Songthaew übrig war. Und das brachte mich glücklicherweise direkt bis vor die Tür meines Hotels. Da war es dann 18:30. Puuuuh!

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