Zwei Stunden in einem philippinischen Gefängnis und am Ende im Bordell (Teil II)

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Auf Palawan gibt es eigentlich nicht so viel zu sehen. Die Insel hat drei Hauptsehenswürdigkeiten: El Nido an der Nordspitze und berühmt für seinen Strand, die Honda Bay mit ihren vorgelagerten Inseln und den unterirdischen Fluss, den längste seiner Art auf der Welt. Aber Palawan hat sehr schöne Landschaften, und deshalb fuhr ich die Küste entlang der Bucht weiter nach Süden zu einem kleinen Fischerdorf.

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Ich musste etliche Kilometer wieder über staubige Schotterpisten fahren, bis ich das Dorf erreichte. Dort fuhr ich an den Kai und machte ein paar Aufnahmen, während sich der Himmel einmal mehr mit bedrohlich dunklen Wolken zuzog.

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Auf meinem Rückweg kam es, wie es kommen musste. Ich hatte das Dorf gerade hinter mir gelassen, als es anfing zu regnen. Und ich hatte noch 40 Kilometer vor mir. Ich fror kräftig. Zum Glück hörte es nach einer Viertel Stunde aber wieder auf. Nebenbei, während meiner ganzen Reise ist es relativ kühl gewesen. Thailand hat zur Zeit die kühlsten Temperaturen seit Jahrzehnten..

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Ich machte dann einen Zwischenhalt an einem dieser typischen kleinen Kioske und trank einen Kaffee. Ich mag diese Plätze, wo man einfach entspannt sitzt und die Menschen beim Nichtstun beobachtet. Ein Phänomen, dass man überall in den ländlichen Regionen in Südostasien antrifft. Und es hängt sicher damit zusammen, dass die Menschen einfach keine  Arbeit finden.

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Am späten Nachmittag war ich zurück im Hotel und sagte mir, dass ich, nachdem ich nun wieder in Freiheit war, eigentlich ein paar Bierchen verdient habe. Ich ging in ein Restaurant und bestellte ein typisches philippinisches Gericht, dass unserem Gulasch sehr ähnlich ist.

So sehr ich die Philippinen auch mag, das Essen hier mag ich nicht. Es ist stark von westlichen Geschmäckern beeinflusst. Viel Fleisch mit Soßen. Eher ziemlich schwere Gerichte, die nichts mit der Vielfältigkeit und dem gesunden, leichten Thai Food gemein haben.

Nach dem Essen ging ich in die größte Bar der Stadt, die Tiki Bar. Dort spielte eine Band. Nicht schlecht, aber viel zu laut. Nach einem Tequila und einem Bier wollte ich woanders hin. Ich fragte einen Tricycle-Fahrer, wo es ein paar Bierbars gäbe, die denen in Thailand ähnlich wären. Der Fahrer fuhr mich dann in eine kleine, sehr dunkle Straße nicht weit von meinem Hotel.

Dort befanden sich drei Bars, die von außen alle gleich aussahen. Ich betrat die Erste und musst zuerst durch eine kleinen Raum, wo ein paar Girlies saßen und mich mit einem fröhlichen “Welcome, Sir!” begrüßten. Jetzt war mir sofort klar, wo ich gelandet war. In einem heruntergekommenen Bordell.

Als aufgeschlossener und weltoffener Mensch, war mir das egal. Ich ging in den nächsten Raum, der nur spärlich von einer kleinen Lampe beleuchtet wurde, die alle paar Sekunden die Lichtfarbe wechselte. Der Raum maß etwa zehn mal drei Meter. Es waren zehn Herren anwesend.

Ich setzte mich auf einen Plastikstuhl an einen Plastiktisch, auf dem eine Plastitkischdecke lag und bestellte ein Bier. Ein Mädel kam, um meine Bestellung aufzunehmen. Es gab ausschließlich San Miguel Bier, das ich überhaupt nicht mag. Als ich nach dem Preis fragte, sagte das Mädel “50 Pesos, Sir!” Mit dem Bier kam auch gleich die Rechnung über 65 Pesos! Da war nämlich noch eine Servicegbühr zu entrichten. Ich gab ihr 100 Pesos und bekam 30 Pesos zurück. Da lächelte ich nur noch.

Am Ende des Raums befand sich eine der allgegenwärtigen Karaokeanlagen, die über ihren Bildschirm noch etwas zusätzliches Licht spendete. Ich zwang mich, mein San Miguel herunterzukippen, während ich die ganze Szenerie auf mich wirken ließ und zuschaute, wie das Mikrofon von Gast zu Gast weitergereicht wurde. Und selbstverständlich bemühte ich mich nach Kräften, die Gesangsdarbietungen, die meist mit einem Echoklang verschönert wurden, zu genießen.

Ich bin immer wieder von dieser Karaokekultur in den asiatischen Ländern fasziniert. Während Unsereins mit einer gewissen Schüchternheit aufwächst, was das Singen vor völlig unbekannten Menschen betrifft, scheinen in diesen Ländern schon die Babys in der Wiege ein Mikrofon in der Hand zu halten. Und es ist ihnen offensichtlich völlig egal, ob sie die Töne treffen oder nicht. Auf jeden Fall bedeutet es immer viel Spaß für alle Anwesenden.

Nachdem ich mein Bier geleert hatte, ging ich zur nächsten Bar. Die war praktisch von der Ersten nicht zu unterscheiden. Also ab in die Dritte. Es handelte sich hier zwar auch um ein Bordell, aber der Gastraum, wenn man so sagen darf, war sehr gemütlich. Die Wände waren alle mit Bambus verkleidet, und man hatte eher den Eindruck, sich in einer tropischen Cocktailbar zu befinden.

Ich setzte mich an den kleinen Tresen, und es kam sofort ein älterer Typ namens Roberto auf mich zu. Der fragte mich, ob ich nicht eine Lady haben wollte. Wollte ich nicht! Ich bestellte zwangsweise wieder ein San Miguel. Sie hatten nichts anderes. Keinen Tequila, kein Schnaps. Nichts außer San Miguel!

Zwei Meter vom Tresen entfernt stand, man glaubt es kaum, eine Karaokeanlage, vor der ein paar Mädels saßen und ihre Lieder trällerten. Ich unterhielt mich ein wenig mit dem Mädel hinter der Bar. Sie war 25 Jahre alt, und Rose war der Boss in dem Laden, äh, Bordell!. Der gehört eigentlich ihrer Mutter, die sich aber seit Längerem auf einer Insel ausruht. Deshalb managt das Töchterchen das Geschäft. Ich bestellte dann tatsächlich noch zwei San Miguel und fuhr zurück ins Hotel. Alleine!

Was für ein Tag!?

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